fox pet | küchenmusik

foxpet_cover_front_web_smallFOX PET “KÜCHENMUSIK” (EP)
VÖ: 14.Oktober 2017

Auflage: 100 Stk. (Audio-CD-R)
digitales Release: spotify

 

FOX PET präsentiert seine neue EP „Küchenmusik“ – dieses Release ist für mich Anlass genug, das Schaffenswerk und Universum des Künstlers genauer unter die Lupe zu nehmen.

Wer ist eigentlich dieser FOX PET?

FOX PET könnte eigentlich eine Band sein. Hinter dem Namen steckt jedoch nur eine Person: Thomas Stötzner, Gitarrist von ELSTER CLUB, der auch einst schon in Bandprojekten wie MARIE & THE TESTICULES oder WOODRUFF & THE SNIBBLE OF AZIMUTH in die Saiten schlug. Ich erinnere mich noch an unsere erste Begegnung: Mai 2007 im legendären Frühauf in Leipzig. Wir spielten live mit unseren damaligen Bands; von da an entwickelte sich nicht nur eine enge Zusammenarbeit zwischen unseren Plattformen WHO PUT THE L IN LEIPZIG und EAST GERMAN INTERNATIONAL, es war auch der Beginn einer tiefen Freundschaft, die bis heute anhält.

Was passierte in all den Jahren?

Im Dunstkreis von tetmusik. trat FOX PET bereits 2011 in Erscheinung. Und zwar auf dem „Fuchs“-tetsampler – wie könnte es passender sein? 2016 folgte die Veröffentlichung der „Metro“-EP (als 100 Stück-Kassetten-Auflage) und erneut ein Beitrag auf dem „Buntspecht“-tetsampler.

Für die Kunst muss man Opfer bringen

FOX PET, seit geraumer Zeit im schwäbischen Stuttgart zu Hause, sammelt seine kreativen Ergüsse im privaten Studioraum, investiert in Technik und legt sich einen MFB Tanzbär zu. Er nimmt auf, probiert sich – anders als in seinen bisherigen Musikprojekten – in deutschem Gesang, macht sich Gedanken, reist umher und reflektiert seinen Alltag. Für die Aufnahmen der neuen EP verschafft er sich Freiraum, kündigt sogar seinen bestehenden Job. Nicht jeder würde so weit gehen für seine eigens kreierte Ausdrucksform. Was dabei herauskommt, ist nicht nur hörenswert, sondern auch ein geglückter Selbstversuch: Hier ist einer am Werk, der einfach gute Musik machen will. Fernab von den Hypes, dem Druck der Soundportale im Netz und der Selbstzerfleischung der Musikindustrie.

Küchenmusik? Ja, Küchenmusik!

Während ich mir die EP die ersten Male anhöre, denke ich „Schön!“ – dann schaue ich noch einmal auf das Cover des Tonträgers und lese den Titel: Warum eigentlich „Küchenmusik“? Musikalisch wie textlich scheint der Bezug zunächst nicht klar zu sein. FOX PET verrät mir, dass er Sounds verarbeitet hat, die er in der Küche aufgenommen hat. Aha! Ein weiteres Mal höre ich in die Tracks hinein und erkenne einige Geräusche, die wie ein Besteckkasten oder Topfschlagen klingen. FOX PET erklärt: „Da einige Sounds meiner Drummaschine nicht so brillant sind, musste ich mir etwas anderes einfallen lassen. So wurde zum Beispiel aus der Reisdose ein Shaker. Staubsauger und Waschmaschine kommen auch zum Einsatz.“ Ich denke und lehne mich zurück, es macht klick: Die Küche, das zweite Wohnzimmer. Wie schon einst legendär von den WUNDERSCHÖNEN FRAUEN besungen, ist die Küche auch Ort der Begegnung, der Gespräche, des Zusammenlebens – und des Musikkonsums. Die soziale Ader und das Private sind hier ganz fest verankert. Jetzt macht der Titel auf einmal Sinn. Also – wenn man sich darauf einlässt!

Expensive jeans and plastic chairs“

FOX PET eröffnen sich auf „Küchenmusik“ bis dato ungeahnte lyrische Welten: Mit dem Track „Harmonika“, der – wenn man im großen Stile denkt – die Single-Auskopplung der EP sein könnte, wird ein Feuerwerk der Neologismen entzündet. Und überhaupt: Es sprudelt an Wortneuschöpfungen und Phrasen-Kreationen; Anleihen der Band DER ELEGANTE REST werden erkennbar. Hinzu kommen auch englische Gassenhauer wie „Stay and dance along“ („Die Stadt“); in „Zauberberg“ heißt es „Ein Schneetraum zieht auf“. FOX PET bedient sich einer fantasievollen Sprache, vieles wird bunt mit Worten ausgemalt, obgleich es im Kryptischen verborgen bleibt. In „Nachtfalter“ beschreibt FOX PET seine schlaflosen Phasen im Alltagsstrudel. „Der Bach“ ist eine poetische Naturschwärmerei: „Jetzt im Tal erkenn ich mich, vom Ufer aus spiegelt sich mein Gesicht“. Joseph von Eichendorff hätte seine Freude gehabt, zusammen mit FOX PET auf Wanderschaft zu gehen, um die Schönheit der Natur aufzufangen.

Experimenteller Vintage Power Pop

Für drei der fünf Tracks hat sich FOX PET Verstärkung geholt: Niemand anderen als den charismatischen Bassisten Christian Barden vom ELSTER CLUB. Der macht einen guten Job! Durch seine knackigen Basslines in die „Die Stadt“ fühlt man sich gleich in beste ELSTER CLUB-Zeiten zurückversetzt. „Zauberberg“ startet mit einer Session-Orgie: Bass und Gitarre verschmelzen im Blues und steigern sich ekstatisch. Man denkt an verrauchte Clubs und irgendwie liegt auch ein Hauch von Westberlin in den frühen 80ern im Raum. Treibende Rhythmen gibt es auch in „Harmonika“ – hier sogar mit Mundharmonika – und dem stampfenden „Nachtfalter“, in dem Orgel und Gesang dem Track eine 60er-Jahre-psychedelic-Note geben. Einziges ruhiges Stück ist „Der Bach“, in dem Percussion-Elemente sehr dezent gesetzt sind: Eine leidenschaftlich gespielte Akustik-Gitarre streicht sich mit anmutenden Klängen immer wieder in den Vordergrund, unterlegt wird das Ganze mit einem meditativen Wasserrauschen. Fast schon selig wirkt FOX PET in diesem letzten Track, mit dem die EP ausklingt.

Das tet-Fazit

Jeder, der das Verschrobene und etwas Kantige in der Musik mag, der nach undogmatischem Neuland lechzt, wird sich mit der „Küchenmusik“-EP gut anfreunden können. Voraussetzung ist natürlich, dass man sich Zugang zu FOX PET’s musikalischem Ansatz verschafft. Die inhaltlichen Themen sind natürlich nicht kompatibel mit den großen aktuellen Pop-Attitüden, in denen spät-pubertäre Rollenspieler zum 1001.Male mit kargen Wortmitteln über das sinnieren, was die mitten in der Pubertät Stehenden schon längst verstanden haben. Aber sie geben Einblicke, dass es da noch viel mehr und wertvolleres gibt, über das man schreiben kann. Im aktuellen DEMOKIT & PUMAMONTANA-Podcast ist FOX PET auch zu hören: Nicht nur mit einem Track, sondern auch einem kurzen Interview-Skit, in dem er erklärt, wie er zur Musik kam.

//puma

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